Entstehung der Siedlung Heimaterde.

Die Gründung fällt in die Zeit des großen 1.Weltkrieges und die Idee stammt vom damaligen Prokuristen der Firma Fried Krupp, Max Halbach.

Die Lösung der Wohnungsfrage der minderbemittelten Krupp’schen Arbeiter lag Max Halbach besonders am Herzen. Unter seiner Leitung sind mehrere mustergültige Wohnungsanlagen entstanden.

Die schönste Schöpfung - nach seiner Ansicht - sollte die Siedlung Heimaterde werden. Sie diente vor allem der Wohnungsfürsorge kinderreicher Familien aus den engen Stadtwohnungen. Die geräumigen Wohnungen mit Stall und Garten waren das Ideal, was Max Halbach vorschwebte.

Den Familien sollten durch den Garten und Stall (Haltung von Kleinvieh, Schweinen, Schafen, Ziegen und Geflügel) eine teilweise Selbstversorgung ermöglicht werden.
Die Gründung der Genossenschaft erfolgte am 01.12.1916.
Max Halbach sicherte der Genossenschaft das Gelände, welches sich im Essen–Mülheimer Grenzgebiet auf einer Fläche von 340 Morgen erstreckte, zu.

Die Idee seines Vorhabens brachte er bei der Gründung der Genossenschaft im Jahre 1916 mit folgenden Worten zum Ausdruck:

Der Kotten ist unser Ideal!
„Das bedeutet ein spalierobstumranktes Häuschen in Grün und Sonnenschein, bedeutet Gemüse in Hülle und Fülle mit Schinken, Speck und Würsten, die kein bares Geld kosten (weil das zu verkaufende zweite Schwein die Auslagen für beide Schweine wieder einbringt), bedeutet verheißungsvolles Meckern und Gackern aus dem Stalle; bedeutet Gesundheit, Lebensfreude und Arbeitsfreude, bedeutet Liebe zu Heimat und Vaterland, bedeutet aber auch Verbindung mit unserm Herrgott droben, von dem das Gedeihen der Scholle abhängt.“

Bemerkenswert ist, dass nach den Gründungsabsichten die Heimstätten nach und nach in das Eigentum der Genossenschaftsmitglieder übergehen sollen.
Während des 1. Weltkrieges konnte infolge des Bauverbots mit der Errichtung der Siedlungshäuser nicht begonnen werden.

Den Bebauungsplan sowie die Ausführung der Projekte und Gestaltung wurde dem Architekten 
Theodor Suhnel B.D.A. Mülheim–Ruhr 
übertragen.

Man plante Einfamilienhäuser (an Zweifamilienhäuser und noch größere dachte man noch nicht), für die eine 11/2 geschossige Bauweise vorgesehen war.
Die Siedlung zeigt bis zum heutigen Zeitpunkt noch die architektonische Gestaltung von Theodor Suhnel.

Die ersten Spatenstiche der Häuser wurden kurz nach Beendigung des 1. Weltkrieges im August 1918 getan.
Der erste Bauabschnitt umfasste Einfamilienhäuser mit 18 Haupt- und 18 Nebenwohnungen.

Die Nebenwohnungen waren als Altenteil für Eltern oder Schwiegereltern gedacht.
Um möglichst preiswert zu Bauen, machte man den Versuch, die billigere Lehmbauweise anzuwenden.
Es stellte sich später heraus, dass die kurze Trockenzeit während der Bauphase (die klimatischen Verhältnisse in der Region waren zu feucht) nicht ausreichte. Dennoch sind einige Häuser fertig gestellt und später durchsaniert worden. Sie unterschieden sich nicht von den in Ziegelbau ausgeführten Häusern.

Um der große Nachfrage an Wohnungen gerecht zu werden, baute man auch Zweifamilienhäuser.
In den ersten 10 Jahren wurden 323 Wohnungen davon 173 Einfamilienhäuser und 75 Zweifamilienhäuser gebaut. Von den 323 Wohnungen sind 244 vierräumig, 28 fünfräumig und 51 sechsräumig.

In den dreißiger bis Anfang der vierziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurden mehrere Bauabschnitte getätigt, wo auch Mehrfamilienhäuser entstanden sind.

In den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde der Bauabschnitt des Sunderplatzes erstellt. Es entstanden mehrere Einzelhandelsgeschäfte:
Bäckerei, Schuhmacherei, Tapeten/Anstreicher/Glaserei, Schreibwaren und Textilgeschäft auf der rechten Seite, Zahnarzt, Metzgerei, Eisen- und Haushaltswaren, Drogerie sowie Milch- und Molkereiprodukte auf der linken Seite.
Geplant wurde der Sunderplatz von Theodor Suhnel als Markt-, Kirch-, und Schulplatz. (Die Schule entstand in den fünfziger, die Kirche in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts.)

Der letzte Bauabschnitt (Schwarzenbergstraße und verlängerte Kleiststraße) bis zum 2. Weltkrieg wurde 1939 begonnen und 1941 beendet.
Nach Kriegsende bemühte man sich so gut wie möglich, die Kriegsschäden zu reparieren. Erst gegen Ende der 1960er Jahre begann man mit neuen Bauprojekten.

1980 hat man mit den ersten Verkäufen des älteren Teils der Siedlung begonnen. Das Vorkaufrecht haben in erster Linie die Mieter sowie Kinder/Enkel oder Krupp’sche Werksangehörige, erst danach, wenn keine Nachfrage besteht, können außenstehende Käufer die Immobilie erweben.

Man achtete darauf, dass keine Firmen, Immobiliengesellschaften oder andere gewerbliche Vermietungsfirmen Ankäufe tätigen können.
Bis zum heutigen Zeitpunkt wird das noch praktiziert.